Nutzerzentriertes Design von Arzneimittelverpackungen: Bei dem der Patient im Mittelpunkt steht

Gianni Linssen
Geschrieben von
Gianni Linssen
/ Veröffentlicht am
8. Mai 2026
Bei der patientenzentrierten Gestaltung von Arzneimittelverpackungen steht der Patient im Mittelpunkt, nicht an letzter Stelle. Dieser Ansatz verbessert die Therapietreue und reduziert Dosierungsfehler stärker als die meisten anderen klinischen Maßnahmen.
"Modern pharmaceutical packaging design studio showcasing user-centric sample designs."

Nutzerzentriertes Design von Arzneimittelverpackungen geht vom Patienten aus und arbeitet rückwärts. Das klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht, denn die meisten Arzneimittelverpackungen werden unter Berücksichtigung regulatorischer Anforderungen, Markenidentität und Produktionsbeschränkungen entwickelt, wobei die Patientenerfahrung erst später berücksichtigt wird. Das Ergebnis sind Verpackungen, die zwar die Qualitätssicherung erfüllen, aber einen 78-Jährigen um 7 Uhr morgens verwirren.

Was nutzerzentriert tatsächlich bedeutet

Drei im Designprozess verankerte Verpflichtungen:

Tests mit echten Patienten durchführen. Nicht mit internen Stellvertretern. Nicht mit Fokusgruppen gesunder 30-Jähriger. Die tatsächliche Zielgruppe, die das Medikament anwenden wird, einschließlich älterer Menschen, Sehbehinderter und Patienten mit eingeschränkter Griffkraft.

Passen Sie die Packungsbeilage dem Einnahmeschema an. Für ein Medikament zur täglichen Einnahme bei chronischer Erkrankung wird eine Kalenderhülle benötigt. Ein Dosierungsschema erfordert farbcodierte Schritte. Ein Medikament für Pflegepersonen benötigt andere Hinweise als eines, das der Patient selbst einnimmt.

Die möglichen Fehlerquellen müssen sichtbar sein. Der Patient sollte auf einen Blick erkennen können, ob er die Dosis von gestern eingenommen hat, ob die Packung manipuliert wurde und ob er die richtige Wirkstoffstärke erhält.

Patientendemografie, die das Design beeinflusst

Ältere Patienten (70+)

Verminderte Greifkraft. Eingeschränkte Feinmotorik. Sehschwäche. Häufige gleichzeitige Einnahme von fünf oder mehr Medikamenten. Designprioritäten: Großdruck, breite Abziehlaschen, Kalenderansicht, intuitive Öffnungsrichtung.

Haushalte mit Kindern

Kindersichere Verpackungen sind bei vielen Arzneimitteln Pflicht. Die Herausforderung besteht darin, die Verpackung gleichzeitig seniorengerecht zu gestalten, da kindersichere Verpackungen für Großeltern oft nicht mehr zu öffnen sind. Unsere Locked4Kids Plattform erfüllt beide Anforderungen.

Patienten mit Sehbehinderung

In Europa leben etwa 30 Millionen Menschen mit einer Sehbehinderung. Die EU-Richtlinie 2004/27/EG schreibt die Anbringung von Braille-Schrift auf der Umverpackung vor. Neben der Braille-Schrift sind Farbkontraste und taktile Hinweise für Patienten mit Sehbehinderung wichtig.

Pflegekräfte

Oftmals verwalten Familienangehörige die Medikamente für einen älteren Verwandten. Sie benötigen eine verständlichere Beschriftung als der Patient selbst sowie Dosierungspläne, die auch bei der Kommunikation zwischen den Pflegepersonen verständlich sind.

Nutzerzentriertes Design in der Praxis

Ein konkretes Beispiel: ein Medikament zur Behandlung chronischer Erkrankungen des zentralen Nervensystems bei älteren Patienten. Die Standardpackung bestand aus einer generischen Blisterverpackung aus Folie und PVC in einem Faltschachtel. Die Therapietreue in der Studie betrug 60 %.

Neu gestaltet als wiederverschließbare Brieftasche mit Kalenderansicht, großgedruckten Tagesetiketten, praktischer Aufreißöffnung (kein Durchdrücken) und optischer Farbunterscheidung zwischen Morgen- und Abenddosis. Einnahmetreue in der neuen Verpackung: 85 %.

Die Neugestaltung kostete nur wenige Cent pro Packung. Die um 25 Punkte verbesserte Therapietreue führte zu messbar besseren klinischen Ergebnissen.

Wo nutzerzentriertes Design auf Widerstand stößt

Zwei häufige Argumente dagegen:

„Es ist teurer.“ Das stimmt auf Packungsebene, ist aber auf Programmebene falsch. Die Kosten pro ausgelassener Dosis (klinische Auswirkungen, verminderte Therapietreue, Druck der Kostenträger) übersteigen in der Regel die Kosten für die Designverbesserung.

„Wir haben keine Daten zu den Nutzerbedürfnissen.“ Führen Sie Akzeptanztests mit Patienten durch. Die Daten sind vorhanden, Sie müssen sie nur erheben. Sechs Wochen und ein paar Tausend Euro liefern die Antwort.

Wenn Sie Ihre Verpackung benutzerzentriert gestalten möchten

Beginnen Sie mit einem Patientenakzeptanztest der aktuellen Verpackung. Optimieren Sie anschließend das Layout der Verpackung, den Öffnungsmechanismus und die Beschriftung. Die erste Version ist selten die richtige.

Wir haben nutzerorientierte Verpackungen für Medikamente gegen chronische Erkrankungen, onkologische Dosierungsschemata und pädiatrische Präparate entwickelt. Senden Sie uns das Patientenprofil, wenn Sie eine nutzerorientierte Gestaltung Ihrer Verpackung wünschen.

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